Was tun gegen Amokläufe

März 17, 2009

Die gemeinnützige Salzburger Institution für Medienbildung, Aktion Film, kennt die Phänomene von sozialer Vereinsamung und Konsum von Computerspielen und Videos mit gewalttätigen Inhalten von Jugendlichen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema hilft Lehren und Schülern.

 

 

 

Mit Medienkompetenz der Gewaltspirale begegnen

 

Bereits beim Schulamoklauf in Emsdetten am 20. November 2006 hat der Geschäftsführer der Aktion Film Martin Seibt auf die umfangreichen Präventionsmethoden hingewiesen, die einer Vereinsamung von Schülern vor dem Computer vorbeugen helfen:

 

„Die Medien sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Nicht die Medien sind schuld an der derzeitigen Gewalteskalation. Wir brauchen einen anderen, kompetenteren Umgang im Konsum der Medien. Schwieriges soziales Umfeld führt Jugendliche in die Isolation und oftmals in die Flucht in eine Medien-Scheinwelt. Und mit schwierigem Umfeld meine ich nicht materiell prekäre Situationen. Quer durch alle Gesellschaftsschichten werden ‚Hilfeschreie’ von Jugendlichen nicht gehört. An diesem Punkt muss man ansetzen.“

 

 

 

Beispiele für erfolgreiche Arbeiten mit Schülern und Jugendlichen im Gewaltpräventionsbereich

 

Workshops: Die Aktion Film führt jedes Jahr viele Workshops in der aktiven Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen durch. Diese unterstützen Heranwachsende nicht nur darin, sich kreativ mit Medien auszudrücken, sondern fördern vor allem deren Medienkompetenz im Sinne eines reflektierten Medienumgangs. Die aktive Medienarbeit bietet aber auch die Möglichkeit, sich mit Themen wie „Gewalt in der Schule“ konstruktiv auseinanderzusetzen.

 

 

Ein Beispiel für Filmprojekte mit Schulen:

 

Das Medienprojekt ‚We Tube’ wurden letzten Herbst von Schülerinnen und Schülern der Hauptschule Lehen (Projektleiter Iwan Pasuchin, Lehrender am MediaLab der Universität Mozarteum Salzburg, Lehrer Paul Donner, Medienberatung Aktion Film) erstellt.

 

Das Hauptziel des WeTube-Projektes bestand in der Nutzung der Potentiale des Web 2.0 zur Stärkung des Selbstbewusstseins von Kindern und Jugendlichen, die in der Öffentlichkeit zumeist lediglich als Problemfälle wahrgenommen und behandelt werden. Das Projekt wurde im November 2008 mit dem media literacy award 2008 in der Kategorie Medienbildung ausgezeichnet.

 

 

 

 

Zwei Stunden mehr Unterricht für Beziehungsarbeit nützen

 

Es braucht zeitgemäße Rahmenbedingungen für den Unterricht. Nur unter bestimmten Voraussetzungen könnten im Lernsystem auch zusätzliche Stunden Sinn machen“, sagt der GF der Aktion Film Martin Seibt unter Einbeziehung der derzeitigen Debatte um die Ausweitung von Lehrerarbeitszeiten und unter dem aktuellen Gesichtspunkt der Ereignisse in Winnenden:

 

„Wir haben heute andere gesellschaftliche und berufliche Anforderungen zu bewältigen, als noch vor 25 Jahren. Gerade im Bereich des Medieneinsatzens der jungen Generation ändert sich derzeit alle paar Jahre Grundlegendes. Es ist daher wichtig, stärker in einen projektorientierten Unterricht zu gehen und dabei neue Medien einzusetzen. Nicht mehr Frontalunterricht allein erzielt Erfolge. Inhaltliche Kompetenz wird an Schülerinnen und Schüler abgetreten werden müssen. Die Prozesskompetenz des Lehrpersonals wird zunehmend gefragt sein.

 

Dazu brauchen Lehrerinnen und Lehrer aber auch medienpädagogische Kompetenzen und ein Wissen um die Medienwelten, in denen sich junge Menschen bewegen. Viele kennen Diskussionen um gewalthaltige Computerspiele nur aus den Medien, aber haben sich selbst noch nie damit auseinandergesetzt. Hier besteht derzeit noch ein großer Nachholbedarf, denn nur wenn man das Medienumfeld der Kinder und Jugendlichen kennt, kann man sich in der (medien-)pädagogischen Arbeit in der Schule auch angemessen damit auseinandersetzen. Deshalb bietet die Aktion Film eigene Workshops für Lehrer an, in denen sie viel diskutierte Computerspiele wie z.B. Counterstrike kennen und beurteilen lernen. Zudem werden in diesen Workshops Wege aufgezeigt, wie man die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler fördern kann.

 

Literatur und Ausbildung zum Thema seitens der Aktion Film:

 

Wijnen, Christine W. (2008): Medien und Pädagogik international. Positionen, Ansätze du Zukunftsperspektiven in Europa und den USA. München: kopaed (268 Seiten, ISBN: 978-3-86736-063-0

 

Edith Blaschitz, Martin Seibt (Hrsg.) (2008).Medienbildung in Österreich. Historische und aktuelle Entwicklungen, theoretische Positionen und Medienpraxis. Lit.Verlag. ISBN: 978-3-7000-0861-3

 

‚Educational Technology Multimedia Leadership’ fünfsemestriger Universitätslehrgang in Kooperation mit der Donauuniversität Krems. Gestartet erstmals 2008.

 

Ansprechpartner

 

 

Aktion Film | Medienbildung

Wir gestalten Ihre visuelle Medienpräsenz – wir kultivieren Medienkompetenz

 

Mag. Martin Seibt, MSc

Imbergstraße 2, 5020 Salzburg, Austria

+43 662 822023

seibt@aktion-film.at

www.aktion-film.at

 

Unser Öffnungszeiten:

Mo. – Fr.: 9:00 Uhr bis 14:00 Uhr


Gewalt in den Medien – Gewalt im Alltag

März 9, 2009

„Gewalt im Vorfeld erkennbar“

Jugend. Wenn Kinder zuschlagen, liegt das auch an Sprachlosigkeit und Isolation.

Sylvia Wörgetter  

Salzburger Nachrichten, 7.03.2009

 

Jeder zweite Schüler hat verbale oder körperliche Gewalt in der Schule erlebt. Dies ergab die Studie „Jugend und Gewalt“ des Instituts für Jugendforschung vor rund zwei Jahren. Als Gerichtspsychiater hat Norbert Nedopil mit Jugendlichen zu tun, die wegen oft schwerer Gewaltdelikte vor Gericht landen. Doch die Gewaltspirale beginnt sich sehr viel früher zu drehen, oft schon in der Kindheit. Lehrer und Eltern können die Alarmsignale erkennen, sagt Nedopil.

Sie treffen als Gutachter im Gerichtssaal auf Jugendliche, die gewalttätig geworden sind. Wie kommt es denn so weit, dass Kinder und Jugendliche zuschlagen und weit Schlimmeres tun?

Nedopil: Die Unfähigkeit, Konflikte durch Kommunikation zu lösen, ist ein wesentlicher Aspekt, dass Jugendliche gewalttätig werden. In Sonderschulen beispielsweise ist die Gewalt unter männlichen Jugendlichen deutlich höher als in Gymnasien. Der intellektuell Gebildetere ist besser in der Lage, sich verbal durchzusetzen und Lösungsstrategien zu entwickeln.

Ein weiterer Aspekt, vor allem bei Buben und jungen Männern, sind Rollenklischees: Dazugehören durch Imponiergehabe und Gewalt.

Mädchen sind sehr viel weniger in körperliche Auseinandersetzungen verwickelt als Buben. Sie sind verbal geschickter. Und sie sind verbal auch in der Lage, Männer oder Buben dafür einzusetzen, ihre Interessen durchzusetzen.

Spielt die soziale Herkunft eine Rolle dabei, wie Aggression ausgelebt wird?

Nedopil: Kinder imitieren die Vorbilder, die sie haben. In sozialer Randständigkeit finden sie leider häufiger gewalttätige Vorbilder als in der Mittelschicht.

Manche Experten behaupten, die Gewalt unter Jugendlichen nehme nicht zu, sie werde aber brutaler: Früher wurde gerauft, heute wird mit Springerstiefeln ins Gesicht getreten. Stimmt das?

Nedopil: Das deckt sich mit meiner Erfahrung. Zwei Aspekte spielen dabei eine Rolle. Früher wurden körperliche Auseinandersetzungen wie Rangeleien bis zu einem gewissen Grad geduldet. Dafür gab es ungeschriebene Regeln. Man hat die Regeln respektiert, weil man sie ausgetestet hat. Heute ist Gewalt schon in den Ansätzen verpönt. Wer den ersten Ansatz zur Gewalt überschreitet, hat also danach keine Grenzen mehr. Ich will das am Beispiel illustrieren: Als Dorfbub habe ich gelernt, dass ich zwar raufen darf, aber aufhören muss, sobald jemand auf dem Boden liegt. Heute dürfen Kinder nicht mehr raufen. Wenn sie es dann aber doch tun, kennen sie die Grenze nicht mehr, wann sie aufhören müssen.

Der zweite Aspekt für Gewalteskalation ist, dass in den neuen Medien Gewalt mit einer Allmachtposition verbunden ist – bei Computerspielen zum Beispiel: Man schießt die Gegner tot, ist Herr über Leben und Tod. Dadurch werden die realistischen Grenzen aufgehoben.

Gibt es Alarmzeichen für das Entstehen von Gewalt, an denen sich Lehrer oder Eltern orientieren können?

Nedopil: Anhand verschiedener Defizite in der Persönlichkeit ist im Vorfeld erkennbar, dass Risiko zur Gewalt besteht. Man hat fünf Risikofelder ausgemacht: Ein wesentlicher Aspekt im Hintergrund der zunehmenden Gewaltbereitschaft ist, dass wir als Elterngeneration nichts Vernünftiges an die Stelle von Autorität und Disziplin, die noch die Erziehungsmaxime unserer Vorväter waren, gesetzt haben. Wenn Kinder Regeln nicht anerkennen, ist dies ein erstes Warnsignal.

Ein weiteres ist, wenn Jugendliche nicht mehr in der Lage sind, in Konflikten konstruktive Lösungen zu finden. Ein drittes Warnsignal ist zu sehen, wenn sie die Konsequenzen ihres Handelns nicht abschätzen und alternative Handlungsweisen nicht bedenken können. Das vierte und fünfte Signal sind, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, Kompromisse auszuhandeln und nicht mehr in der Lage sind, um Hilfe nachzusuchen.

Wie sollen Lehrer und Eltern am besten auf solche Signale reagieren?

Nedopil: Man muss jenen als Erstes ansprechen, der am dringendsten Hilfe braucht. Und zwar muss man ihn in einer Sprache ansprechen, die er versteht – das kann im Moment auch eine Drohung sein. Es ist im Normalfall richtig, mit positiven Verstärkern zu arbeiten. Wenn der Betreffende aber darauf nicht mehr hören kann, weil er schon zu weit abgedriftet ist in seiner Isolierung, kann es sein, dass man auf den Tisch haut und sagt: Jetzt reicht es. Und dann muss man Hilfe anbieten, sagen: Ich bin auch morgen wieder für dich da.

Ein Amoklauf ist die extreme Eskalation von Gewalt. Gibt es Anzeichen im Vorfeld dafür?

Nedopil: Die Erfahrung zeigt, dass sich potenzielle Täter zunächst von der Gruppe absolut isolieren. Sie sind extrem kränkbar, können aber auf Kränkungen nicht mehr öffentlich reagieren, sondern brüten vor sich hin. Sie sind auch zu Hause nicht mehr ansprechbar. Dann kommen meist noch Signale dazu wie Äußerungen im Internet, in Postings, hinterlegte Zettel mit Drohungen. Das ist eine wiederholt beobachtete Entwicklung.

Sollten Lehrer und Eltern eine solche Entwicklung beobachten, wie können sie reagieren?

Nedopil: Solche Menschen muss man zunächst aus dem Verkehr ziehen. Sie sind mit normalen Strategien von Pädagogen und Psychologen nicht erreichbar. ✩Am Montag lesen Sie: Was eine Schule tut, um Gewalt unter Jugendlichen vorzubeugen.

Pano / 07.03.2009 07.03.2009 / Print


Lerncoaches

März 5, 2009

„Lehrer neuen Zuschnitts sind Lerncoaches.

 Es braucht zeitgemäße Rahmenbedingungen für den Unterricht. Nur unter bestimmten Voraussetzungen könnten im Lernsystem auch zusätzliche Stunden Sinn machen“, sagt der GF der Aktion Film Mag. Martin Seibt MSc angesichts der Debatte um die zusätzlichen zwei Unterrichtseinheiten pro Woche für Lehrerinnen und Lehrer, die Bildungsministerin Schmied vorschlägt.

 

„Wir haben heute andere gesellschaftliche und berufliche Anforderungen zu bewältigen, als noch vor 25 Jahren. Gerade im Bereich des Medieneinsatzens der jungen Generation ändert sich derzeit alle paar Jahre Grundlegendes. Es ist daher wichtig, stärker in einen projektorientierten Unterricht zu gehen und dabei neue Medien einzusetzen. Nicht mehr Frontalunterricht allein erzielt Erfolge. Inhaltliche Kompetenz wird an Schülerinnen und Schüler abgetreten werden müssen. Die Prozesskompetenz des Lehrpersonals wird zunehmend gefragt sein. Wenn das eintritt, kann auch über geänderte Arbeitszeiten der Lehrer gesprochen werden“, sagt Martin Seibt weiters.

 

Die Lehrerinnen und Lehrer können in Kooperation mit den Schülerinnen und Schülern Lerninhalte gemeinsam und mit viel Zufriedenheit und Zuversicht erarbeiten. In Projekten werden neue Medien eingesetzt. Technische und inhaltliche Kompetenz wird an die Schüler abtreten, weil Letztere ohnehin zum Teil mehr Know-how im Bereich der neuen Medien einbringen. Das erfordert einen Umdenkprozess bei den Lehrenden. Weg von ‚ich weiß – ich vermittle’, hin zum Vermittler durch Prozesskompetenz. Das erfordert kurzfristig zwar einen zusätzlichen bzw. geänderten Ausbildungsbedarf beim Lehrpersonal, sorgt aber langfristig auf der Seite der Lehrer und der Schüler für motivierteres und somit leistungsfähigeres Arbeiten.

 Literatur und Ausbildung zum Thema seitens der Aktion Film:

 

Wijnen, Christine W. (2008): Medien und Pädagogik international. Positionen, Ansätze du Zukunftsperspektiven in Europa und den USA. München: kopaed (268 Seiten, ISBN: 978-3-86736-063-0

 

Edith Blaschitz, Martin Seibt (Hrsg.) (2008).Medienbildung in Österreich. Historische und aktuelle Entwicklungen, theoretische Positionen und Medienpraxis. Lit.Verlag. ISBN: 978-3-7000-0861-3

 

‚Educational Technology Multimedia Leadership’ fünfsemestriger Universitätslehrgang in Kooperation mit der Donauuniversität Krems. Gestartet erstmals 2008.

 

Ansprechpartner

 Aktion Film | Medienbildung

Wir gestalten Ihre visuelle Medienpräsenz – wir kultivieren Medienkompetenz

 

Mag. Martin Seibt, MSc

Imbergstraße 2, 5020 Salzburg, Austria

+43 662 822023

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Februar 23, 2009

Gras drüber? Erinnerungsspuren an die NS – Vergangenheit in St.Johann im Pongau

Schüler aus St. Johann arbeiten mit Filmprojekt der Aktion Film ein tristes Stück Zeitgeschichte auf

 

In ganz starken Bildern haben 13 Schülerinnen und Schüler der VIII A des BORG in St. Johann von September 2008 bis Jänner 2009 ein brisantes Stück Pongauer Zeitgeschichte zu einem Dokumentarfilm verarbeitet. Erstmals öffentlich präsentiert wird der Film am Freitag, 27.Februar 2009 im Kultur:Treff, Haus der Musik, in St. Johann um 20 Uhr. Organisatoren der Veranstaltung sind die Kultur:Plattform St. Johann und die Aktion Film Salzburg. Das Projekt wurde finanziert durch die Österreichische Gesellschaft für politische Bildung.

 

Unter fachkundiger Anleitung des Salzburger Historikers Michael Mooslechner und der Klassenlehrerin Annemarie Zierlinger entstand in Kooperation mit der Aktion Film Salzburg eine knapp dreißigminütige Filmdokumentation rund um das Kriegsgefangenenlager STALAG XVIII C in „ Markt Pongau“, wie die Gemeinde St. Johann während der NS-Zeit hieß. Von den Schülerinnen und Schülern wurde die schwierige Aufgabe bewältigt, Ereignisse im Todeslager für sowjetische Soldaten zwischen 1938 und 1945 aufzubereiten, ins Heute zu tragen und Bewusstsein und Betroffenheit zu schaffen. Einheimische Zeitzeugen kommen zu Wort, mit Original Bildmaterial werden historische Fakten aufbereitet, und St. Johannern NS-Opfern wird ein virtuelles Denkmal gesetzt.

 

 

Erschütternde Ereignisse im Pongau während der NS-Zeit

 

Im „Markt Pongau“ entstand 1941 ein Lagerkomplex, der aus „Nordlager“, in dem fast ausschließlich Gefangene aus der Sowjetunion interniert waren und dem „Südlager“, in dem Franzosen, Serben, ab 1942 auch Belgier und ab 1943 auch Engländer sowie Italiener gefangen gehalten wurden. Das Lager war für 10.000 Gefangene und 1000 Personen als Wachpersonal konzipiert. Bereits im Dezember 1941waren mehr als 20.000 Menschen interniert. Insgesamt ließen im Lager in „Markt Pongau“ 3.709 Menschen aus der Sowjetunion, 51 aus Jugoslawien, 15 aus Frankreich und sieben aus verschiedenen weiteren Nationen ihr Leben. Unter dem Namen „Russenfriedhof“ erlangte die Beerdigungsstätte der Kriegsgefangenen in unseren Tagen nochmals traurige Bekanntheit. Die Gedenkstätte war bislang durch einen fehlenden Zufahrtsweg kaum zu erreichen. Erst nach mühevollen, jahrelangen Auseinandersetzungen wurde im Vorjahr mit der Errichtung eines Fuß- und Fahrweges zum „Russenfriedhof“ begonnen.

 

 

O-Töne aus dem Film „Gras drüber? Erinnerungsspuren an die NS – Vergangenheit in St.Johann im Pongau“:

 

Historiker Michael Mooslechner:

„Von den 3.000 russischen Gefangenen, die im November 1941 interniert waren, waren im August 1942 nur mehr 500 am Leben, so schlecht waren die Ernährungsbedingungen und so schlecht war die medizinische Versorgung. Der Grund, warum die sowjetischen Kriegsgefangenen so eklatant schlechter behandelt wurden wie die Gefangenen der West-Alliierten, ist in der Rassenideologie des Nationalsozialismus begründet, wo die slawischen Völker als minderwertig galten.“

 

Ein immer noch sehr bewegter und betroffener Franz Knauseder, während des Krieges 15 Jahre alter Lehrling in St. Johann:

 

„Wenn man da tagtäglich zweimal vorbeigeht und da liegen schwerstkranke Menschen drinnen, da ist es laut, da hört man Schreie, das schockiert einen, wenn man 15 Jahre alt ist. Ich war immer ein Mensch, der sich für die Vorgänge im Leben interessiert hat. Wenn man sieht, wie die Leute  behandelt wurden, so rechtlos, verkraftet man das schwer, überhaupt mit jungen Jahren“.

 

Adolf  Schwaiger, Pfleger des Russenfriedhofs:

„Für mich ist es oft deprimierend, wenn ich Rasen mähe und nachdenke, wie das möglich war, dass man mit Menschen so unmenschlich umgeht, dass sie zu Tausenden zu Tode kommen. Ich denke, ich mach die Friedhofspflege, es soll nicht vergessen werden. Tatsache ist ja, dass solche Ereignisse auch heute noch passieren, die Kriegshandlungen haben bis heute nicht aufgehört und das Elend von vielen Menschen ist heute noch genau so, als ob man nie etwas gelernt hätte aus den vergangenen Kriegen.“

 

Resumee der Schüler:

 

„Wir sind diejenigen, die die Verantwortung tragen, dass unmenschliche Verbrechen, wie sie in der Zeit des Nationalsozialismus auch von Österreicherinnen und Österreichern begangen wurden nie wieder geschehen können. Vergessen heißt, die Geschichte zu verleugnen. Erinnern heißt, aus ihr zu lernen“.

 

 

Statements Aktion Film:

 

„Dieses Projekt zeigt die Potentiale partizipativer Medienarbeit. In der Auseinandersetzung mit Archivmaterial und den historischen Fakten durch eigenständige Recherchen machten die Schülerinnen und Schüler die Geschehnisse in St. Johann während des Nationalsozialismus zu ihrem Thema. Sie konnten das, was sie der Öffentlichkeit zu sagen hatten frei nach ihren Vorstellungen umsetzen. Sie hatten keine Vorgaben. Wo sie Hilfe brauchten, wurden sie allerdings bestmöglich unterstützt sowie während des gesamten Prozesses von Experten begleitet. Dadurch konnten sie nicht nur an ihrer Aufgabe wachsen, sondern wuchsen über sich selbst hinaus: das Ergebnis ein beeindruckender Film.“

Christine Wijnen, Projektleiterin, Aktion Film.

 

„Film als pädagogisches Mittel- Schülerinnen und Schüler entwickeln die Geschichte, drehen und schneiden und kommen damit dem Inhalt den sie verarbeiten um ein Vielfaches näher, als das in herkömmlichen Unterrichtsformen möglich wäre. Film bedient sich der Mittel eines Vojeurs, um gute Geschichten zu erzählen und lässt damit die Jugendlichen an der Wirklichkeit partizipieren. Was kann pädagogisch wirksamer sein als der Zeitgeschichte Aug in Aug gegenüber zu stehen.“

Alexander Naringbauer, Projektbegleitung, Aktion Film

 

„Wir kennen diesen Effekt von zig Vorgängerprojekten. Wann immer man den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe begegnet und ihnen Verantwortung überträgt und ihnen dann prozessunterstützend zur Seite steht, kommt ein gutes Ergebnis heraus. Die Jugendlichen waren wieder einmal mit ganz besonderem Eifer dabei. Es war ihnen ein echtes Anliegen, Verantwortung hinsichtlich des Films und noch mehr hinsichtlich der menschlichen Haltung zu zeigen. Diese St. Johanner Jugendlichen haben in einem halben Jahr des Filmdrehs wirklich viel gelernt.

Martin Seibt, GF Aktion Film

 

Gras drüber ist innerhalb kurzer Zeit das zweite Dokumentarfilmprojekt der Aktion Film zum Thema Zeitgeschichte und NS-Zeit, aufbereitet von jungen Menschen für junge Menschen. Die 19-jährige Salzburger Filmemacherin Theresa Hattinger hatte sich das Thema des Jüdischen Exodus über die Krimmler Tauern 1947 ausgesucht. Hattinger hatte Filmmaterial aus der ORF-Dokumentation: Der Krimmler Exodus – Alpine Peace Crossing – Gedächtnisüberquerung 1947/2007 als Ausgangspunkt genommen, ein brisantes Stück Salzburger Geschichte lebendig aufzubereiten. Premiere des Films war kurz vor Weihnachten 2008 im Salzburger Filmkulturzentrum Das Kino.

 

 

 

Filmpräsentation „Gras drüber? Erinnerungsspuren an die NS – Vergangenheit in St.Johann im Pongau“ ist am 27.2.09 um 20 Uhr.

Kultur:Treff St.Johann, Eintritt Frei

 

Veranstalter: Kultur: Plattform St. Johann – www.kultur-plattform.at

Aktion Film Salzburgwww.aktion-film.at

Österreichische Gesellschaft für politische Bildung – www.politischebildung.at

 

 

Eckdaten zum Film:

 

Projektleitung: Christine W. Wijnen

Coaching/Begleitung der SchülerInnen: Alexander Naringbauer & Markus Weisheitinger-Herrmann

Drehbuch, filmische Umsetzung: SchülerInnen der VIII A des BORG St. Johann/Pg.

Filmmusik: Thomas Doss (Symphonie der Hoffnung) und Rupert Rohrmoser

Verantwortliche Lehrerin: Annemarie Zierlinger

Archivmaterial und Unterstützung der SchülerInnen bei Recherchen: Michael Mooslechner

 

Michael Mooslechner ist Herausgeber der Broschüre „Das Kriegsgefangenenlager STALAG XVIII C – Markt Pongau“ und gemeinsam mit Robert Stadler Autor des Buches „St. Johann/Pg. 1938 – 1945. Das Nationalsozialistische ‚Markt Pongau’. Der ‚2. Juli 1944’ in Goldegg: Widerstand und Verfolgung“

 

 

Kontakt:

 

Aktion Film | Medienbildung

Wir gestalten Ihre visuelle Medienpräsenz – wir kultivieren Medienkompetenz

 

Mag. Dr. Christine Wjinen

Imbergstraße 2, 5020 Salzburg, Austria

+43 662 822023

wijnen@aktion-film.at

www.aktion-film.at

Unser Öffnungszeiten:Mo. – Fr.: 9:00 Uhr bis 14:00 Uhr


Projektmittel ausgeschöpft

Oktober 28, 2008

Aktion Film Projekte im 2. Halbjahr 2008 auf Sparflamme

Mit Ende Juli sind bei der Medienbildungs- und Kultureinrichtung Aktion Film die Projektmittel ausgeschöpft. Ab September keine Medienprojekte für Schulen und Jugendzentren.

Im Jahr 2008 hat die Aktion Film, wie auch in den Jahren zuvor, mit 24 verschiedenen Schulen, Jugendeinrichtungen, Jugendgruppen Medienprojekte realisiert. Da die Jugendlichen und Bildungseinrichtungen die Leistung der Aktion Film nicht zur Gänze aus eigener Tasche finanzieren können, ist eine Unterstützung der jugendlichen Filmproduktion seitens der öffentlichen Hand notwendig. Diese Mittel sind per Ende Juli für 2008 aufgebraucht.

„Da wir bei einigen Projektansuchen nicht zum Zug kamen, klafft in der Kasse ein Loch von etwa 20.000 Euro“, sagt GF Martin Seibt, „wir müssen Personal reduzieren und können aus diesem Grund für Schulen und Jugendzentren, erst wieder ab 2009 audiovisuelle Projekte mit unserer Unterstützung anbieten.“

Die Kosten für ein Projekt beziffert Martin Seibt mit etwa € 4.000.–. „Jedes weitere Projekt, das wir ohne Subvention anbieten, würde das Budgetloch erheblich vergrößern.“ Wie in den Vorjahren führt die Aktion Film intensive Gespräche mit Stadt und Land Salzburg, die prekäre Situation aufzulösen. Für 2008 gibt es eingeschränkten Restbetrieb.

Für 2009 sind die Subventionsgespräche mit Stadt und Land Salzburg positiv angelaufen.

Aktion Film fördert Medienverständnis und Kulturbewusstsein bei jungen Menschen

Die Aktion Film vermittelt Medienkultur und auch allgemeines Kulturverständnis, indem sie mit jungen Menschen Filme dreht. Im EuRegio Medienzentrum (ein grenzüberschreitendes Projekt mit Kooperationspartnern aus Bayern und Salzburg, das in den Jahren 2006/ 2007 gemeinsam mit der Radiofabrik, finanziert aus Interreg III Projektmitteln, durchgeführt wurde) werden Jugendliche und Pädagogen gleichermaßen ausgebildet, sich medial auszudrücken und verschiedenartige Präsentationsformen anzuwenden. Viele dieser Produkte werden bei KLAPPE, dem Salzburger JugendFilm und VideoFestival und dem Tag des Salzburger Film präsentiert.

Pädagogische Konzepte aus Führungskräftetraining übernommen

Die Aktion Film fördert in allen ihren Projekte eigenverantwortliches Handeln und Vorgehen von Schülerinnen und Schülern und das im Umgang mit den modernsten Medien. Die Aktion Film sieht sich in diesem pädagogischen Konzept als Prozessunterstützer:

Martin Seibt: „Ich halte es für unerlässlich, dass Lehrerinnen und Lehrer in Projekten neue Medien einsetzen und dabei technische und inhaltliche Kompetenz an die Schüler abtreten, weil Letztere zum Teil mehr Know-how im Bereich der neuen Medien einbringen. Das erfordert einen Umdenkprozess bei den Lehrenden. Weg von ‚ich weiß – ich vermittle’, hin zum Vermittler durch Prozesskompetenz.“

Die Vorbilder für diesen Lernansatz kommen aus der Managementtrainingsmethodik. Moderationstechniken werden genauso eingesetzt wie situationsbezogene Menschenführung. Der Lehrende ist Prozessunterstützer, ein methodischer Helfer, keinesfalls ein allwissender gestrenger Lehrer. Wertschätzung und Entscheidungsfreiheit der Akteure prägen die Szenerie. Die Jugendlichen werden als achtenswerte, gleichberechtigte und vollwertige Personen betrachtet. Das fördert das selbständige Lernen und eine selbst bestimmte Problemlösung. In der Herangehensweise an Problemstellungen sind wie bei Erwachsenen auch bei Kindern entsprechende Persönlichkeitsmerkmale sichtbar. Im partnerschaftlichen Lehrmodell der Aktion Film wird daher auf die individuellen Fähigkeiten viel Wert gelegt.

Diese Ausrichtung entspricht auch dem Trend der zunehmenden interaktiven digitalen Medien, anstelle herkömmlicher Instruktionsformen. Neue Technologien bieten einen breiten Fächer von medialen Darstellungs- und Vermittlungsformen. Der Einsatz von sozialen Fertigkeiten in Kombination mit dem Umgang mit neuen Medien ist keine Gegensatz sondern die Herausforderung der Stunde.

Ansprechpartner

Mag. Martin Seibt, MSc

Aktion Film Salzburg

Imbergstr.2, 5020 Salzburg

+43-662-822023

office@aktion-film-salzburg.at

www.aktion-film-salzburg.at


„Medienbildung in Österreich“

September 4, 2008

Neuerscheinung
Buch „Medienbildung in Österreich“

direkt bestellen unter http://www.lit-verlag.de/isbn/3-8258-1498-4

Edith Blaschitz, Martin Seibt (Hg.)
Medienbildung in Österreich
Historische und aktuelle Entwicklungen, theoretische Positionen und Medienpraxis
Medienpädagogik
Bd. 5, 472 S., 29.90 EUR, br., ISBN 978-3-8258-1498-4

Das Erscheinen jedes neuen Mediums bringt das Bestreben, dieses zu Bildungszwecken heranzuziehen mit sich. Film, Fernsehen, Radio oder Computerspiel sollten und sollen nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern einen Beitrag zu Erziehung und Bildung leisten.

Der vorliegende Band versammelt Beiträge, sowohl aus medientheoretischer und medienpraktischer Sicht, zu Geschichte und Status quo der Medienbildung in Österreich und ihrer Eingebundenheit in wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.


Ehrenrettung für Computerspieler

Januar 15, 2008

Ein ARtikel der Salzburger nachrichten vom10. Jänner 2008   

Eine aktuelle deutsche Studie zeichnet entgegen dem Klischee vom gewaltbereiten Stubenhocker ein Bild von besonders geselligen Zeitgenossen mit dem Hang zu anspruchsvoller Unterhaltung.

» Infobox·                          Die Studie im Internet ·                          Mehr Spiele-News ·                          Aktuelle Spielekritiken für PC und Konsolen

Eine Gruppe von Kommunikationswissenschaftern zeichnet nach Abschluss einer Studie ein Bild der Computerspieler, das nicht dem Klischee entspricht. Die Menschen, die sich dem Freizeitvergnügen Computerspiel hingeben, sind demnach keine isolierten Einzelgänger am Abgrund von Sucht und Gewalt, sondern besonders kommunikative Zeitgenossen mit einer Vorliebe für Geselligkeit und anspruchsvolle Unterhaltung. Der Bremer Professor Andreas Hepp und der Trierer Soziologe Waldemar Vogelgesang befassen sich in dem Sammelband mit der LAN-Szene, also den Teilnehmern privater oder öffentlicher Computerspielveranstaltungen im gemeinsamen Netzwerk. Sie näherten sich dabei den Computerspielern wie „Ethnologen, die Kontakt mit einer für sie unbekannten Spezies und ihrem Lebensraum herzustellen versuchen“. Ihre Beobachtungen führten zu dem Ergebnis, dass die Computerspieler in einem von ihnen selbst aufgebauten Lernbereich eine besondere Kompetenz in technischen Fragen entwickeln. Sie folgen dabei einem Selbstverständnis, das „für flexible Erwerbsbiografien immer bezeichnender wird“. Aber passen dazu die Gewaltorgien in Spielen wie „Counter Strike“ oder „Doom“? Die Forscher sehen das gelassen, da der irreale Spielcharakter immer gegenwärtig sei. Außerdem seien gerade auch „die kollektiven Baller- und Abschießspiele eingebunden in expressive Verhaltensmuster, gekoppelt an Witz, Spaßmachen und Albernheiten“. Sie sehen in diesen Spielen daher einen „Befreiungsversuch von den Rationalitätsanforderungen und der Problembeladenheit der modernen Alltagsrealität“. Mit anderen Worten: Der Alltag ist so belastend geworden, dass sich Computerspieler ihren eigenen Freiraum einrichten, in dem sie ungestraft auch einmal außer Kontrolle geraten dürfen. Und das tun mittlerweile nach Zahlen der Allensbacher Demoskopen immerhin 37 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Während dieser Anteil in den vergangenen zehn Jahren kaum gestiegen ist, haben die Nutzer von Online-Spielen zuletzt deutlich zugelegt – auf 17 Prozent. Online-Spieler sind vor allem unter den Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren, eher bei Männern sowie in der Bevölkerung mit hohem Bildungsgrad zu finden. Die Szene des 2005 eingeführten Online-Spiels „World of Warcraft“ (WoW) haben die beiden Medienwissenschaftler Robert Seifert und Sven Jöckel untersucht. Bei diesem Spiel steht der Langzeitnutzen im Vordergrund – die virtuelle Fantasy-Welt existiert neben der realen Welt und entwickelt sich immer weiter. Bei der Befragung von Spielern stellten die Forscher fest, dass sich deren Motivation mit der Zeit ändert: Stehen am Anfang Nervenkitzel, Wettkampf und die Erkundung der neuen Welt im Zentrum des Interesses, wird später die virtuelle Gemeinschaft immer wichtiger. „Die Zeit, die man online verbringt, nimmt zu, und der Grund dafür ist nicht mehr das spielerische Töten von Monstern und das Sammeln von Gegenständen, sondern stattdessen das Treffen von Freunden.“ Der Erfurter Professor Friedrich Krotz versteht Computerspiele als eine neue Kategorie der Kommunikation: Neben der persönlichen und der Massenkommunikation über die Medien stellen sie eine interaktive Kommunikation dar, bei der die Kommunikationsebene und zum Teil auch die Kommunikationspartner von Software und Hardware gestaltet werden. Krotz erwartet, dass künftig immer mehr Geräte eine eigene kommunikative Intelligenz erhalten: „Tote Dinge werden kommunikationsfähig und damit in gewissem Sinn lebendig.“ Die Wissenschafter erwarten, dass Computerspiele künftig noch mehr als bisher den Alltag durchdringen und damit auch kulturprägend wirken. Dazu passt auch der Trend, dass ältere Computerspieler über 35 Jahren schon jetzt keine Seltenheit sind. Unter diesen finden sich vor allem Freizeit- und Gelegenheitsspieler, die gelernt haben, dieses Hobby mit ihren beruflichen und familiären Tätigkeiten in Einklang zu bringen. Angesichts der verbreiteten Computerspielerfahrung bei Jugendlichen wird erwartet, „dass mit deren langsamen Älterwerden das Spielen unter Erwachsenen wohl zur ,alltäglichen‘ Normalität werden wird“. Gesellschaft muss wachsam bleiben Die Erkenntnisse der Kommunikationswissenschafter scheinen ganz im Interesse der Computerspielbranche zu liegen. Es gibt jedoch keinen Hinweis, der die Seriosität der Autoren in Zweifel ziehen würde. Diese haben in ihren Aufsätzen ausschließlich den Nutzen für die Computerspieler untersucht. Wenn es aber um die Inhalte geht, werden neue Fragen aufgeworfen. So merkt der Erfurter Professor Krotz kritisch an, dass Computerspiele auch als Übernahme kindlicher oder jugendlicher Fantasien durch Unternehmen aufgefasst werden könnten. „Hier ist die Zivilgesellschaft gefragt, die diese Prozesse beobachten, kontrollieren und dafür sorgen muss, dass die Menschen angemessene und gute Spiele auswählen können.“  


Statement zur Pisa-Studie

Dezember 6, 2007

Die Salzburger Aktion Film hält es in Ihrem pädagogischen Konzept mit Antoine de Saint-Exupery Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann  trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen und Aufträge zu verteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.  Ein Beitrag der Aktion Film gemeinnütziger Partner für Medien und Pädagogik – zur Veröffentlichung der Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie Es braucht einen Paradigmenwechsel in der Lern-, Lehr- und Prüfkultur.Im Unterricht muss es mehr Teamarbeit sowohl der Schüler als auch der Lehrer geben. Eine Individualisierung ist nötig.“ Bildungsministerin Claudia Schmied anlässlich der Präsentation der jüngsten PISA-Studie-Ergebnisse    

Educational Technology Mit neuen Technologien und neuen Methoden zu individualisiertem Lernen 

Die Schule kommt mit ihren herkömmlichen Unterrichtsmethoden nicht mehr weiter“, das sagt der Geschäftsführer der Aktion Film, der gemeinnützige Partner für Medien und Pädagogik mit audiovisuellem Schwerpunkt in Salzburg, Martin Seibt. In Zukunft wird es wichtig sein, stärker in projektorientierten Unterricht zu gehen und dabei neue Medien einzusetzen. Nicht mehr Frontalunterricht allein erzielt Erfolge.Inhaltliche Kompetenz wird an Schülerinnen und Schüler abgetreten werden müssen. Die Prozesskompetenz des Lehrpersonals wird zunehmend gefragt sein.“ Dieses Zukunftsszenario veranlasste die Aktion Film in ihrem pädagogischen Programm noch mehr moderne projektbezogene Angebote zu forcieren, um differenziertes und individuelles Lernen zu ermöglichen.Der partnerschaftliche Umgang zwischen Lehrern und Schülern wird ins pädagogische Zentrum gerückt. Die Zukunft des Lernens heißt Prozessunterstützung Die klassische Form des Unterrichts mit Prüfung und Selektion bringt uns in Österreich, das beweist die gestern veröffentlichte neue Pisa-Studie erneut, in der Schulbildung ins europäische Mittelmaß. Fortschrittliche Ansätze wie individuelles Lernen der Schüler, Teamarbeit der Lehrenden mit Verknüpfung von fächerübergreifenden Lehrinhalten benötigen einen entscheidenden zusätzlichen Schritt in der Adaptierung der Pädagogik. Martin Seibt: Ich halte es für unerlässlich, dass Lehrerinnen und Lehrer in Projekten neue Medien einsetzen und dabei technische und inhaltliche Kompetenz an die Schüler abtreten, weil Letztere zum Teil mehr Know-how im Bereich der neuen Medien einbringen. Das erfordert einen Umdenkprozess bei den Lehrenden. Weg von ‚ich weiß ich vermittle’, hin zum Vermittler durch Prozesskompetenz.“     

Neue Angebote der Aktion Film im Jänner 2008 für prozessorientierteLehnmethoden: Veranstaltungsreihe Digital Immigrants“ 

Unsere Kinder und Jugendlichen werden spätestens seit der Begriffseinführung durch den US-amerikanischen Autor und Spieleentwickler Marc Prensky im Jahr 2001 als ‚Digital Natives’ bezeichnet. Diese Generation ist die erste, die mit vielfältigen neuen Technologien aufgewachsen ist, also mit Computern, Computerspielen, Internet, email, Handys und mit Instant Messaging. Speed zählt und Multitask ist genauso gefragt wie spielerisches Lernen, alles via Screen natürlich. Gleichzeitig sind die Lehrer dieser Kinder ‚Digital Immigrants’, Personen, die vor dem Technologieschub aufgewachsen sind und den Einstieg in das  Computerzeitalter erst als Erwachsene vollzogen haben. Sie sprechen die neue Sprache oft unzureichend und sind methodisch meist im vorigen Jahrtausend verhaftet.     

Educational Technology “Multimedia Leadership” 

Interaktive Digitale Medien treten immer mehr an die Stelle der herkömmlichen Instruktionsformen. Neue Technologien bieten einen breiten Fächer von medialen Darstellungs- und Vermittlungsformen. Softskills und Managementtechniken sind in der Vorbereitung auf die moderne Arbeitswelt unabdingbar.  Um gezielt zur Verbesserung der Medien- und Managementkompetenz im Bereich Medien und Kommunikation beizutragen veranstaltet die Donau Universität Krems in Kooperation mit Aktion Film Salzburg ab 2008 einen postgradualen Universitätslehrgang in Salzburg. Der Lehrgang Multimedia Leadership vermittelt den technisch sicheren Umgang mit neuen Kommunikationswerkzeugen in Gestaltung und Anwendung, sowie die offene und variantenreiche inhaltliche Auseinandersetzung mit Neuen Medien im Hinblick auf den Einsatz in Unterricht, Lehre und betrieblicher Weiterbildung. Der modulare Aufbau des Lehrgangs erlaubt es, sich parallel zur beruflichen Karriere weiterzubilden und wird in Blockeinheiten zu drei bis sechs Tagen vorzugsweise in der Schulferienzeit abgehalten. Nach fünf Semestern wird dem Lehrgangsteilnehmer nach positiver Absolvierung des Lehrgangs der akademische Grad Master of Science (MSc) verliehen. 

Veranstaltungsreihe Digital Immigrants“ 

Freitag 11.Jänner 2008: Internet & Kommunikation.  Social Software Das Kommunikative im Web Internet & Handy sicher und verantwortungsvoll nutzen Referenten: Mag. David Röthler und Mag. Bernhard Jungwirth   Samstag 12.Jänner 2008Digital Lives die Medienwelten Heranwachsender Haltungen und Methoden für die Arbeit mit Digital Natives ReferentInnen: Mag. Christine Wijnen und Mag. Martin Seibt   Anmeldung unter: Aktion FilmImbergstr. 2, 5020 SalzburgPhone: ++43-(0)662-822023office@aktion-film.at   

Educational Technology Multimedia Leadership“ Zielgruppe: Personen, die in den Bereichen Training, Aus- und Weiterbildung in Schule und Wirtschaft sowie im Medienbereich tätig sind; Veranstaltungsorte: Salzburg, Krems; Lehrgangszeitraum: 5 Semester; Zulassungsvoraussetzung: Bakkalaureats-Magister- oder Diplomstudium bzw. FH-Abschluss; Lehrgangsbeginn: Mai 2008 Abschluss: Master of Science; Teilnahmegebühren: € 12.900,- (bzw. €6.900,- ermäßigte Teilnahmegebühr für Lehrerinnen und Lehrer mit abgeschlossenem Lehramt), inklusive Skripten in digitaler Form oder in Kopien. Die Studiengebühr ist in fünf gleichen Raten zu je € 2.580,- (bzw. € 1.380,-) jeweils zu Semesterbeginn zu begleichen;Inskriptionsschluss: 28. April 2008; Veranstalter: Donauuniversität Krems, Aktion Film Salzburg. Ansprechpartner.Mag. Martin Seibt, MScAktion Film SalzburgImbergstr.2, 5020 Salzburg+43-662-822023office@aktion-film-salzburg.atwww.aktion-film-salzburg.at


Amokläufe bei Jugendlichen

November 28, 2007

ORF Salzburg

AMOKLÄUFE BEI JUGENDLICHEN

26.11.2007

Medien und Schulen mit verantwortlich?
Je mehr Medien über Gewalt an Schulen berichten, desto mehr Nachahmer solcher Taten finden sich. Das betonte der deutsche Kriminalpsychologe Jens Hoffmann bei einer Tagung in Salzburg.
Öffentlicher Waffenkult, medial hochgespielte Empörung, Hype der Berichterstattung und Harmoniesucht von Pädagogen und Schulbehörden als Faktoren? Solche Fragen stellt Kriminalpsychologe Hoffmann.

Geschürte Aufregung, Filme
Gleichzeitig böten die meisten Schulen keine Beratung und Hilfe für auffällige Schüler an, weil sie um ihren Ruf fürchten. Hoffmann fordert bei der Debatte um Gewalt an Schulen deshalb weniger mediale Aufregung, dafür mehr konkrete Arbeit mit Betroffenen und Hilfe für Randgruppen unter Jugendlichen.
Zuerst der Amoklauf an einer Schule in Finnland und dann die noch von außen medial geschürte Aufregung um ein angeblich in letzter Minute verhindertes Blutbad in einer Schule in Köln – die umfassende Berichterstattung über diese Vorfälle bringe manche Jugendliche nur auf gefährliche Ideen, sagt der Aschaffenburger Kriminalpsychologe Jens Hoffmann.

Schließlich gebe es so spektakuläre Gewaltverbrechen an Schulen in Europa erst seit dem auch in einem Spielfilm aufbereiteten Massaker an einer Schule in den USA aus dem Jahr 1999.  Stille, depressive Einzeltäter
Hoffmann sieht bei den Nachahmungstätern eine überquellende Beschäftigung mit Amokläufern, eine fast schon abgöttische Verehrung mit Massenmördern wie in Columbine: „Wir haben oft Websites gefunden, die Jugendliche ins Netz stellen zur Verehrung solcher Täter. Das sind häufige Warnsignale. Es geht hier auch um persönliche Verzweiflung: `Ich weiß nicht mehr weiter, und ihr werdet schon mal sehen …`
Dazu kommt für den Kriminalpsychologen, dass Schüler, die extreme Gewalttaten fantasieren, planen oder verüben, vorher in den meisten Fällen sehr unauffällig bis angepasst waren: „Oft sind es Jungen, die eher depressiv sind, sich gekränkt fühlen und als Einzelgänger zurückziehen. Manche entwickeln Fantasien, dass sie durch eine solche Tat noch jemand sein können, der wichtig wird. Es sind sehr selten offen verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche, die aus gewalttätigen Elternhäusern kommen.“  Verhindert schöner Schein die Hilfe?
Statt lange öffentlich, journalistisch und theoretisch über Gewalt an der Schule zu diskutieren und sich zu empören, sollten Psychologen und Berater in den Schulen arbeiten. Doch damit hätten viele Direktoren und Lehrer keine Freude, ergänzt Hoffmann, weil ihnen Schein einer heilen Welt wichtig sei:
„Wir haben oft das Problem, dass Schulen die Fakten nicht wahrhaben wollen. Wenn nämlich Krisenteams eingerichtet werden, würde das ja heißen, wir haben Probleme an der Schule. Dadurch wird unser Ruf schlecht. Genau diese Einstellung ist ein falscher Weg.“  


EMZ – Jahresprogramm 2007/2008

November 23, 2007

                                                Fit für moderne Mediengesellschaft EuRegio Medienzentrum geht mit erweitertem Programm ins zweite Jahr  

Rund 700 vorwiegend junge Menschen haben die EuRegio Medienzentrum-Veranstaltungen im vergangenen Jahr besucht. 36 Workshops wurden im Bereich Video abgehalten, weitere 32 für Radio, acht für Internet und zwei im Bereich Print. Ziel war vorrangig, Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen in der EuRegio Salzburg, Berchtesgadener Land und Traunstein zu fördern. Außerdem wurden zahlreiche Fachkräfte der Jugend-, Erziehungs-, Bildungs- und Kulturarbeit auf den neuesten Wissensstand gebracht.    

Umfassendes Medien-Jahresprogramm 2007/2008 

Für das Jahresprogramm 2007/08 haben sich die Macherinnen und Macher des EuRegio Medienzentrums (EMZ) wieder viel vorgenommen. Das Angebot für Salzburg, Traunstein und das Berchtesgadener Land wurde von 28 auf 40 verschiedene Workshops in den Kategorien Radio, Video, Internet, Print und Medienübergreifend ausgebaut, für die 26 Referentinnen und Referenten aus Salzburg und Bayern zur Verfügung stehen.   „In Zeiten, in denen Medien schon längst zur Lebensumwelt junger Menschen gehören, ist es uns wichtig, umfassende Medienkompetenz für junge Menschen aber auch Eltern, LehrerInnen, JugendleiterInnen zu vermitteln – Nur ein kompetenter Umgang mit Medien kann helfen, sie gut in die gesellschaftlichen Prozesse zu integrieren“ sagt Martin Seibt Geschäftsführer des Projektpartners Aktion Film.        „Die Zusammenarbeit der einzelnen Projektpartner in der Europaregion Salzburg, Traunstein, Berchtesgadener Land war ausnehmend gut. Diese stabile Basis hat dazu beigetragen, dass wir unser Workshopangebot so stark erweitern konnten“, betont Mirjam Winter von der Radiofabrik, Projektkoordinatorin des EMZ.      In den Workshops des EuRegio Medienzentrums lernen die TeilnehmerInnen, Radiosendungen, Jingles, Videos, Trickfilme, Weblogs, Wikis oder Magazine einfach selber zu machen – von der ersten Idee bis zur Produktion und teilweise auch mit Veröffentlichung. Zusätzlich gibt es Fotografieworkshops und Seminare für Schauspiel und Regie sowie Filmanalyse, organisiert von der Aktion Film. Neben der eigenen Medienproduktion wird auch Recherchekompetenz im Internet vermittelt, die Rolle der Medien in der Gesellschaft reflektiert und es werden die Möglichkeiten alternativer Medien vorgestellt. Besonderer Wert wird in allen Workshops auf konkrete praktische Umsetzung des Erlernten gelegt. Das Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, spezielle Vorkenntnisse sind in der Regel nicht notwendig.          Die Workshops sind flexibel an die Wünsche der TeilnehmerInnen    anpassbar und können beispielsweise mit Fokus auf mädchen- oder        jungenspezifische Medienarbeit abgehalten werden. Die technische    Ausstattung ist mobil einsetzbar (Notebooks, Kameras, Aufnahmegeräte         etc.). Fast alle Workshops können also auch direkt in Schulen oder anderen      Einrichtungen abgehalten werden. Über die Workshopangebote hinaus gibt es eine Reihe von Veranstaltungen wie die „JuFinale“, das Oberbayerische Jugendfilmfest, „Let’s talk about science“, die Wissenswelle auf der Salzburger Radiofabrik für Kids, „Klappe 08“, das Salzburger Jugendfilm und Videofestival oder den „Kinder-Foto-Preis 2008 zum Thema Bewegung“, ebenfalls in Bayern angesiedelt. 

Das Jahresprogramm 2007/2008 gibt es zum Download als PDF unter www.euregiomedienzentrum.net/  

Das EuRegio Medienzentrum 

Im Zeitalter der Informationstechnologie ist eine umfassende und kompetente
Medienerziehung von großer Bedeutung. Dabei geht es einerseits darum, mit Medieninhalten bewusst und kritisch umzugehen und andererseits auch um die Fähigkeit, Medien selbst aktiv einzusetzen und zu produzieren.
Kreativität und Spaß dürfen dabei nicht zu kurz kommen!

Das vor einem Jahr gegründete EuRegio Medienzentrum (EMZ) soll die medien-pädagogische Arbeit in der Europaregion Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein weiterhin beleben, ausbauen und vernetzen.    Das EMZ wurde von Radiofabrik, Aktion Film und der Kommunalen Jugendarbeit im Landratsamt Traunstein im Rahmen eines EU-Projektes ins Leben gerufen und hat sich folgende Ziele gesetzt: ·       Förderung der Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. ·       Einbindung der Bevölkerung in die Informationsproduktion durch freienMedienzugang (z.B. Produktion und Ausstrahlung von Radiosendungen). ·       Geschlechts-, alters- und milieubezogene Medienarbeit. ·       Fortbildung von Fachkräften der Jugend-, Bildungs- und Kulturarbeit. ·       Professionalisierung des medienpädagogischen Angebots in der Region. ·       Stärkung der regionalen Identität innerhalb der EuRegio durchgrenzüberschreitende Vernetzung. ·       Mobile Einsetzbarkeit der technischen Ressourcen.  Die Angebote richten sich an die offene Jugendarbeit, Jugendgruppen, Schulen, Fachkräfte der Jugend-, Bildungs- und Kulturarbeit sowie alle anderen Menschen, die an aktiver Medienarbeit interessiert sind.

Das EuRegio Medienzentrum wird gefördert mit EU-Mitteln aus Interreg III-A.